Teilprojekt Mobilitätsbudget

Ausgangslage:

Die Erhebung von Mobilitätspraktiken von Angehörigen der UA Ruhr im Rahmen des Projekts InnaMoRuhr zeigt, dass Angehörige der UA Ruhr Universitäten vor Beginn der Corona-Pandemie verglichen mit dem bundesdeutschen Durchschnitt stark auf Verkehrsmittel des Umweltverbundes als „Hauptverkehrsmittel“ zurückgegriffen haben. Insbesondere der ÖV Anteil unterscheidet sich mit 49,8 Prozent deutlich vom Bundesdurchschnitt (24 %), was insbesondere an der großen Anzahl an Studierenden liegt, die mit dem Semesterticket über eine günstige und nachhaltige Möglichkeit zur Fortbewegung zurückgreifen können. Gleichzeitig haben 31 Prozent der Beschäftigten vor der Pandemie den privaten Pkw als Hauptverkehrsmittel für ihre Alltagsmobilität genutzt, ein Anteil, der sich im Zuge der Corona Pandemie zeitweilig auf 37 Prozent erhöht hat. Bereits heute finden sich im Ruhrgebiet zahlreiche nachhaltige Fortbewegungsmöglichkeiten, die als Alternative für die Nutzung des privaten Pkw genutzt werden können: hierzu zählen beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel (Bus, S- und U-Bahn, Bahn), Bike- oder Carsharing. Oft verhindern Mobilitätsroutinen jedoch, dass über Alternativen zu etablierten Fortbewegungsmöglichkeiten nachgedacht wird. An diesem Punkt setzen wir mit dem Ziel an, Personen zum Experimentieren mit Alternativen zum privaten Pkw zu bewegen, um Erfahrungen mit alternativen Fortbewegungsformen zu ermöglichen.

Das Mobilitätsbudget:

Um Angehörige der UA Ruhr dazu zu motivieren, sich mit alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen, stellen wir 200 Angehörigen der UA Ruhr für die Dauer von zwei Monaten ein Mobilitätsbudget in Höhe von 120 € pro Monat zur Verfügung. Es kann flexibel für ÖPNV (Bus, Bahn, Zug) oder On-Demand-Angebote (Leihräder, Car-, Bike-, Scootersharing…) eingesetzt werden, entweder in Form einzelner Fahrten oder als Abonnement-Option (z.B. Monatskarte für den ÖPNV). Auf diese Weise können Teilnehmer:innen des Reallabors mit verschiedenen Fortbewegungsformen experimentieren und individuell in Erfahrung bringen, welche Optionen zu den eigenen Mobilitätsbedarfen passen. Das Mobilitätsbudget ist dabei nicht auf Fahrten zur Universität beschränkt, sondern es darf und soll auch explizit für Wegeketten genutzt werden (bspw. den Weg zum Kindergarten, zum Einkaufen oder zum Sport vor bzw. nach der Arbeit), um die Alltagstauglichkeit der inter- und multimodalenFortbewegung mit Verkehrsmitteln des Umweltverbundes zu testen.

Wissenschaftliche Begleitung:

Um zu evaluieren, welchen Effekt das Mobilitätsbudget für die individuelle Alltagsmobilität der Beschäftigten hat, wird das Reallabor mittels verschiedener Erhebungen wissenschaftlich begleitet und untersucht:

Tracking: Erstens werden die Teilnehmenden vor, während und nach dem Reallabor über den Zeitraum von insgesamt vier Monaten mit der eigens hierfür entwickelten InnaMoRuhr App getrackt. Diese erstellt aus anonymisierten Wegekettenautomatisch sog. Mobilitätstagebücher, die im Anschluss an das Reallabor ausgewertet werden können.

Befragung: Zweitens werden die Teilnehmer:innen in einer standardisierten Erhebung zu ihren Erfahrungen mit dem Mobilitätsbudget sowie ihrer individuellen Mobilität vor, während und nach dem Reallabor befragt.

Interviews: Drittens finden mit ausgewählten Teilnehmenden Interviews statt, um die Erfahrungen mit dem Mobilitätsbudget sowie die Veränderungen für die Alltagsmobilität der Beteiligten vertiefend zu untersuchen.

Zeitraum des Reallabors:

Zwei Monate, Beginn: Ende September

Ansprechpartner:in:

Timo Leontaris
timo.leontaris@uni-due.de


Häufig gestellte Fragen

Q: Wer nimmt am Reallabor Mobilitätsbudget teil?

A: Die Teilnehmenden werden aus dem Personenkreis rekrutiert, der sich im Anschluss an die InnaMoRuhr Mobilitätsbefragung zur Teilnahme am Reallabor bereiterklärt hat.

Q: Erhalten nur Personen, die hauptsächlich mit dem privaten Pkw mobil sind ein Mobilitätsbudget zur Verfügung gestellt?

A: Das Mobilitätsbudget wird sowohl Personen, die hauptsächlich mit dem privaten Pkw mobil sind als auch solchen, die bereits heute verstärkt Verkehrsmittel des Umweltverbunds nutzen, zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise können Einflüsse eines Mobilitätsbudgets auf die Mobilitätspraktiken verschiedener Nutzer:innengruppen untersucht und auch mögliche Rebound-Effekte in den Blick genommen werden.

Q: Wofür darf das Mobilitätsbudget ausgegeben werden?

A: Das Mobilitätsbudget kann grundsätzlich für alle Fortbewegungsdienstleistungen im Inland genutzt werden, die sich mit einer Kreditkarte bezahlen lassen, Luftverkehr ausgenommen. Es kann flexibel für ÖPNV oder On-Demand-Angebote eingesetzt werden, entweder in Form einzelner Fahrten oder als Abonnement-Option (z.B. Monatskarte für den ÖPNV).

Die Ausgaben sind auf Mobilitätsdienstleistungen beschränkt. Zahlungen für andere Dienstleistungen oder Gegenstände sind mit dem Prepaid-Budget nicht möglich.

Q: Was passiert mit Budget, das nicht genutzt wird?

A: Budget, das bis zum Monatsende nicht genutzt, wird in den Folgemonat transferiert. Am Ende des Reallabors verfällt verbleibendes Budget automatisch. Es besteht kein Anspruch auf eine Auszahlung.

Q: Kann man die App auch offline nutzen?

A: Sowohl für den Download als auch für die Planung von Wegen wird eine Verbindung zum Internet benötigt. Die Erfassung von Mobilitätstagebüchern erfolgt über GPS und benötigt nicht jederzeit eine Verbindung zum Internet. Sobald das Gerät das nächste Mal online ist, werden die Tagebücher automatisch synchronisiert.

Q: Kann ich das Mobilitätsbudget aus eigenen Mitteln aufstocken?

A: Eine Aufstockung aus eigenen Mitteln ist nicht möglich. Über die digitale Kreditkarte kann lediglich der zur Verfügung gestellte Betrag verausgabt werden.